DEMOGRAPHIE

Dokumentation zur Diskussion am 29 APRIL 2013
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Am Montag den 29. April 2013 – ab 19:00 | diesesmal zu Gast im HOTEL WIEN
Kulturzentrum für Bernburg / Krumbholzstraße 18-19, Bernburg
Anhalt 2050: „STADT ANHALT“- Mehr als ein Szenario?
Dessau Roßlau sowie die Landkreise Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg werden eine Stadt.
Podium_Stadt_Anhalt
Einführung und Diskussion zu „Raumpioniere in ländlichen Regionen. Neue Wege der Daseinsvorsorge“
Moderation: Uli Wittstock, MDR (am Tisch des Podiums zweiter von rechts)
Referent: Dr. Walter Prigge, Stiftung Bauhaus Dessau (am Podium rechts)
Podiumsteilnehmer:
Henry Schütze, Oberbürgermeister der Stadt Bernburg (am Podium zweiter von links)
Werner Schulze, Geschäftsführer Wasserzweckverband Saale-Fuhne-Ziethe (am Podium links)
Marcel Heins, Hochschule Anhalt ((am Podium in der Mitte)

PLAKAT der Ankündigung
STADt_ANHALT_PRIGGE
Wittstock_Prigge
Kaufmann
PRESSESPIEGEL
Paul Spengler, Mitteldeutsche Zeitung, 1/2. Mai 2013, Bernburger Kurier LOKALES, Seite 11 (Auszug)

ANHALT
Provokante Thesen
„Während Politiker noch behaupten, ländliche Regionen nicht aufzugeben, sieht die Praxis in dünn besiedelten Räumen längst anders aus. Schulen werden geschlossen, Buslinien stillgelegt, es mangelt an ärztlicher Versorgung, die technische Infrastruktur wird zunehmend teurer und Kulturangebote fehlen. Aus der Not heraus beginnen die Bewohner, sich um Fragen der Lebensqualität selbst zu kümmern. ,Raumpioniere‘ engagieren sich für Was-ser-, Gas- und Stromversorgung, Verkehr, Gesundheit, Schulbildung, Freizeit und Kultur. Dabei entstehen neue Kooperationen zwischen Bürgergesellschaft und staatlichen Instanzen. Wo aber beides versagt, ist das demokratische Gemeinwesen in Gefahr“.

Dieser Klappentext wirft einen Blick auf den Inhalt des Buches „Raumpioniere in ländlichen Regionen – Neue Wege der Daseinsvorsorge“, das von Kerstin Faber und Philipp Oswalt als 35. Band in der Edition Bauhaus herausgegeben wurde (Spector Books 2013). Eine Serie in der Mitteldeutschen Zeitung zu der Thematik stieß auf ein großes Leser-Echo.

Im Bernburger Montagsforum, das unter anderem von dem Hochschullehrer Erich Buhmann organisiert wird, wurde am 29. April im Kulturzentrum Hotel Wien über das Thema „Anhalt – mehr als ein Szenarium?“ diskutiert. Im Podium saßen: der Stadt- und Kultursoziologe Walter Prigge, Bauhausstiftung Dessau; Bernburgs OB Henry Schütze (parteilos); Werner Schulze, Geschäftsführer des Wasserverbandes Saale-Fuhne-Ziethe und Marcel Heins, Hochschule Anhalt. Die Moderation übernahm der Hörfunkjournalist Uli Wittstock (MDR). PSR

Faszinierende Provokation
VON PAUL SPENGLER

BERNBURG/MZ – „Man braucht Institutionen, die ein bisschen spinnen dürfen“, meinte Walter Prigge. Dem Stadt – und Kultursoziologen, der sich seit 40 Jahren mit Themen der weit vorausgedachten Raumplanung befasst, fiel am Montagabend im Kulturzentrum Hotel Wien die Rolle des faszinierenden Provokateurs zu. Prigge vertrat die Bauhausstiftung Dessau. Dass Bernburgs Oberbürgermeister Henry Schütze (parteilos) Prigges Visionen am Ende nicht folgen mochte, das verpasste dieser Veranstaltung einen gewissen Spannungsbogen.

Es ging um die Zukunft des ländlichen Raums. Konkret um die Zukunft der Dörfer in der so gedachten künftigen „Stadt Anhalt“ bis 2050 mit den Stadtteilen Bernburg, Köthen, Dessau, Bitterfeld-Wolfen, Wittenberg und Zerbst (die MZ berichtete).

Wird es wirklich soweit kommen, dass die Bewohner der Dörfer im Jahr 2050 für die Nutzung der Infrastruktur mehr zu zahlen haben als die Bewohner der Städte? Diese Prognose gab zumindest der Hörfunkjournalist Uli Wittstock ab, der die Veranstaltung moderierte.

Damit ist das Stichwort Daseinsvorsorge genannt, für die nun einmal die öffentliche Hand verantwortlich ist. Dies werde auch so bleiben, weil die freie Wirtschaft nicht alles erledigen könne, meinte Bernburgs OB Schütze.

„Ich sehe noch nicht, dass wir Dörfer oder Städte schließen“, bestätigte Werner Schulze, Geschäftsführer des Wasserzweckverbandes Saale-Fuhne-Ziethe. „Unsere Kosten stecken in den Ortsnetzen, nicht in den Überlandleitungen und Kläranlagen“, lenkte Schulze den Blick auf die Relationen, die in seinem Bereich eine Rolle spielen.

Allerdings könne man die Frage stellen, ob der Wasserversorger die gleiche Wasserqualität überallhin liefern müsse, oder ob der Verbraucher sich sein Wasser, das er tatsächlich als Lebensmittel verwendet, nicht auch im Supermarkt kaufen könne.

Marcel Heins, der an der Hochschule Anhalt Landschaftsarchitektur studiert hat, stellte als Bewohner der Altmark ganz praktische Überlegungen an. Der von Buhmann als „Raumpionier aus der Altmark“ titulierte Heins warf einen aktuellen Blick nach Griechenland. Dort seien in Folge der Finanzkrise viele Bewohner froh, wenn sie einen Bauernhof auf dem Land haben, um mit eigenem Anbau zu überleben. Auch er verbinde diesen Gedanken eher mit Sicherheit, sagte Heins.

Der Soziologe Walter Prigge forderte dazu auf, radikales Denken zu wagen. Er plädierte für „temporäre Infrastrukturen“, die es bereits heute gebe. Die Cloud im Internet verdeutliche, dass es nicht notwendig sei, alle notwendigen Dinge physisch vorzuhalten. Auch die Skiregionen in den Alpen zeigten, dass die tatsächliche Einwohnerzahl in der Saison durch den Tourismus auf das Zehnfache steige. Auch dies sei ein Beispiel für temporär unterschiedliche Nutzung.

Prigge kritisierte, dass die Landesausstellungen zu sehr auf Geschichtsthemen wie Otto der Große oder das Gartenreich ausgerichtet seien. „Was wir brauchen, ist die Radikalität der Zukunft, das haben wir in der Region zu wenig“, meinte der Soziologe.

Insgesamt war sich das Podium einig, dass der Schrumpfungsprozess, den Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren rapide erfährt, in anderen Bundesländern mit Verspätung eintreffen wird. Darin bestehe auch eine Chance, mutig mit den Themen der Zukunft umzugehen.

Der Beitrag als pdf:
Spengler_130510

Diskussion der Veranstaltung im Forum von Olaf Böhlk
mit Link zu einem Interview mit Werner Schulze, Geschäftsführer des Wasserzweckverbands Saale-Fuhne-Ziethe auf der Webseite der Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS)
und Verweis auf Ortsteilentwicklungskonzept der Bernburger Stadtverwaltung
http://www.boehlk.eu/bernburger-freiheit/2013/04/30/montagsforum-zum-thema-stadt-anhalt/

Rezension zu den Raumpionieren in http://www.german-architects.com/de/emagazin/

Weitere Bücher von www.spectorbooks.com
Spectrum
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