Erklärungen von Bernburger Flüchtlingen

Bernburg,  23.04.2016
Ali Sulaiman, im Namen aller Syrer in der Gemeinschaftsunterkunft in der Aderstedter Straße und anderer Syrer in Bernburg:
Erklärung der Bernburger Syrer zum sexuellen Übergriff auf eine 26-jährige Bernburgerin Opfer auf dem Bernburger Bahnhof am 15. April 2015 (POLIZEIMELDUNGEN Nr. 121, in der MZ veröffentlicht)

Wir wenden uns an alle Frauen und Männer in Bernburg, doch vor allem an die Frau, die in der vergangenen Woche angegriffen und zutiefst beleidigt worden ist.

Wir versuchen uns bei Ihnen zu entschuldigen. Aber wir finden nicht die richtigen Worte und Sätze, um Ihnen zu sagen: Es tut uns leid. Wir wissen wirklich nicht, mit welcher Sprache, mit welchen Formulierungen wir uns bei Ihnen im Namen der Menschen aus Syrien hier in Bernburg entschuldigen können und müssen. Wir verurteilen diese abscheuliche und hässliche Tat aufs Schärfste und bedauern sie sehr. Wir empfinden sie als zutiefst unmoralisch. Es sind nicht unsere Werte, nicht unsere Traditionen, in denen wir erzogen wurden. Wir sagen, dass die Täter, diese beiden Menschen Feinde der Menschlichkeit und der Menschheit sind. Aus dem Angriff sprechen Ignoranz und Barbarei. Uns, alle Syrer, verletzt dieser Verstoß gegen Ihre elementaren Rechte und Würde.
Und wir leiden von diesem Ort und von diesem Punkt aus mit Ihnen und erklären uns mit Ihnen solidarisch. Wir versprechen Ihnen, dass wir eine einzige Hand sein werden, dieses Phänomen, das aus Kleingeistigkeit und Mangel menschlichem Mitgefühl resultiert, zu bekämpfen.

Das ist unsere Pflicht weil wir jetzt in einem Land, in einer Gemeinschaft leben und ein gemeinsames Ziel haben: Wir sind stärker zusammen, um Probleme zu konfrontieren und zu lösen. Wieder bitten wir Sie, uns zu entschuldigen. Aber wir fragen uns: Werden Sie eine Entschuldigung akzeptieren?


Bernburg,  7.03.2016

Ali Sulaiman, im Namen aller Syrer in der Gemeinschaftsunterkunft in der Aderstedter Straße und anderer Syrer in Bernburg:

Erklärung der Bernburger Syrer anlässlich des Internationalen Stammtisches am 7. März 2016 in Bernburg

„Guten Abend meine Damen und Herren, hallo zusammen, ich möchte hier über ein Thema sprechen.
Es ist etwas, was uns alle betrifft, ob wir Syrer sind oder Deutsche oder woher auch immer sonst wir kommen.
Ich weiß und Ihr wisst es auch, dass viele Deutsche die Situation in Syrien jetzt besser verstehen, einschließlich, warum so viele Flüchtlinge kommen.
Aber ich möchte mit meinen Worten nun einiges ansprechen.
Ich möchte sagen; wir sind geflohen, weggerannt vor Tod, Terror, Unterdrückung der Freiheit und vor permanenter Unsicherheit.
Wir sind nicht aus unseren eigenen persönlichen Gründen oder aus wirtschaftlichen Gründen hier.
Der Krieg hat uns auf diesen Weg gezwungen, dazu, ein neues Leben anzufangen.
Wir wissen, dass viele von Ihnen hier in Deutschland und Ihre Familien, Ihre Vorfahren den Zweiten Weltkrieg erlebt haben. Sie wissen, wie das ist. Der Krieg ist immer hässlich.
Ich bitte Sie also, sich kurz vorzustellen, wie schmerzhaft es für jeden Menschen ist, wenn vor seinen Augen sein Land zerstört wird.
Er steht hilflos davor und er kann nichts, rein gar nichts tun, seine Heimat zu retten.
Wir waren vorher sehr glücklich in unserem Leben in Syrien. Niemand dachte vor dem Krieg daran oder hätte es sich vorstellen können, das Land zu verlassen. Das verursacht uns viel Schmerz.
Aber alles, was mit uns geschieht, ist auch unser Schicksal.
Mir ist es wichtig, dass Sie wissen:
Wir möchten uns in Ihre Gemeinschaft und Ihre Gemeinde integrieren.
Wir fühlen uns dem deutschen Recht verpflichtet und wir wollen auch mit Ihnen in Frieden leben, ein gemeinsames Leben.  Das wir zusammen stehen.
Denn zusammen sind wir stärker und wir müssen uns auch gegenseitig unterstützen, beharrlich zu sein.
Wir können dies nicht alles allein schaffen. Nur mit Ihrer Hilfe werden wir das Unmögliche erreichen.
Denn wir wollen von hier sein und ein Teil der deutschen Gesellschaft werden.  Wir haben viel verloren, aber wir haben immer noch unsere Träume behalten.
Wir möchten hier in Deutschland unsere Träume verwirklichen, um sie hier positiv in Ihre Gemeinschaft einzubringen.
Ihr Land ist sehr schön und wir wissen, dass auch Sie, die Menschen hier in Deutschland, den Frieden lieben.
Ich wünsche, dass Sie und Ihr mich auf gute Weise versteht.
Wenn Sie eine Frage haben, oder ein Anregung, etwas, das Sie sagen möchten: Herzlich Willkommen.
Und schließlich danke ich Ihnen und Euch für Ihre und Eure Zeit.  Ich danke auch für die Aufmerksamkeit.
Und ich wünsche Ihnen alles Gute im Leben.“

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