KONTRA Beiträge

Als Beitrag zur Öffentlichen Diskussionen werden hier die Inhalte der jeweiligen Autoren, soweit diese öffentlich sind, ohne redaktionelle Änderungen wiedergegeben. Dort wo bekannt wird auf Gegendarstellungen verwiesen.
Ein Teil der Leserbriefe sind überraschend persönlich gewesen, sodass wir diese und die entsprechende Gegendarstellung nicht übernommen haben oder in Teilen – sofern der Autor dies erlaubt hat – auch gekürzt wiedergegeben haben.
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24.04.2014 :
Leserbriefveröffentlichung in der MZ Bernburger Kurier am 24.04.2014, Seite 25 unter „Leserforum“
Geringfügig geküzter Nachdruck (die Genehmigung des Autors Karl Hobert wird nachträglich eingeholt)
…. Allein der Begriff Tierproduktion ist für mich unakzeptabel. Und bei der Schlachtung handelt es sich um Lebewesen. „Was man den Tieren antut, fällt auf den Menschen zurück“ (Gandhi).
Multiresistente Keime und die beginnende Zerstörung unserer Lebensgrundlagen mit all seinen bereits sichtbaren negativen Auswirkungen, sind sie nicht alarmierend?
Karl Hobert, Bernburg

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23.04.2014 :
Leserbriefveröffentlichung in der MZ Bernburger Kurier am 23.04.2014, Seite 25 unter „Leserforum“
Ungekürzter Nachdruck Sven Meister
Man sollte endlich Nägel mit Köpfen machen und den Bernburgern sagen, was mit dem Schlachthof auf sie zukommt. Die Herumeierei der Verantwortlichen nervt.
Sven Meister, Halle

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23.04.2014 :
Leserbriefveröffentlichung in der MZ Bernburger Kurier am 23.04.2014, Seite 25 unter „Leserforum“
Ungekürzter Nachdruck des Beitrags in der MZ von Bernhard Schneider:
Die Bevölkerung Sachsen-Anhalts schrumpft und die Schweinehaltung steigt. In den letzten zehn Jahren sank die Einwohnerzahl um etwa 150 000, während die Zahl der gehaltenen Schweine meines Wissens um reichlich 400 000 zunahm. Außerdem ist doch der Markt mit Schweinefleisch mehr als gesättigt. Jede Überproduktion geht doch zu Lasten der Umwelt und man muss davon ausgehen, dass der Investor nach weiteren Schweinemastfabriken ruft.
Und wenn vom „viehärmsten Bundesland“ gesprochen wird, dann ist dies falsch. Das Gegenteil ist der Fall, zumindest was die Schweinehaltung betrifft. Ein Blick in die Bundesstatistik zeigt, dass Sachsen-Anhalt bezogen auf die Landesgröße bereits hinter Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein rangiert. Es braucht nicht viel Fantasie, sollte es zur Errichtung des Schlachthofes kommen, dann werden weitere Mega-Ställe mit all ihren negativen Folgen entstehen. Den Bernburgern rufe ich zu: Seid wachsam, bedenkt die Folgen. Lasst nicht zu, dass aus einem Kultur- ein Schweineland wird.
Bernhard Schneider, Querfurt
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23.04.2014 :
Leserbriefveröffentlichung in der MZ Bernburger Kurier am 23.04.2014, Seite 25 unter „Leserforum“
Ungekürzter Nachdruck des Beitrags in der MZ von Axel Seyer:
Die IHK Halle-Dessau in Person von Herrn Piotrowsky rät also, „erst einmal die relevanten Informationen abzuwarten, weil man ohne sie keine ehrliche Debatte führen kann“. Auf welcher Basis gibt aber dann Herr Piotrowsky seine Meinung pro Schlachthofbau kund?
Nun, wie alle Befürworter ist es das ausschließliche Argument „Arbeitsplätze“. Der Bernburger Wirtschaftsdezernent hat diese ja schon im MDR-Fernsehen ziemlich genau beziffert: „Ich will jetzt gar nicht darauf spekulieren, ob die niedrige Zahl von 140 oder die hohe Zahl von 2 500 richtig ist. Es wird sich vielleicht irgendwo in der Mitte bewegen, ich weiß es nicht.“ Wir haben es alle gehört, er weiß es nicht.
Vielleicht weiß Herr Piotrowsky als IHK-Geschäftsstellenleiter, wie viele regionale Arbeitsplätze verloren gingen, weil kleinere regionale Schlachtunternehmen in den zurückliegenden Jahren durch die Entwicklung hin zu Megaschlachthöfen verdrängt wurden? Und was die erhofften neuen Arbeitsplätze betrifft, ist hinlänglich bekannt, dass in der Fleischbranche derzeit zwischen 50 und 90 Prozent Fremdpersonal beschäftigt ist.
Axel Seyer, Bernburg
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23.04.2014 :
Leserbriefveröffentlichung in der MZ Bernburger Kurier am 23.04.2014, Seite 25 unter „Leserforum“
Ungekürzter Nachdruck des Beitrags in der MZ von Klaus Voigt:
Nach der Fördermittelabsage des Landes Sachsen-Anhalt gibt es nun auch das logische „Nein“ von der Investitionsbank für Geldmittel zum Klärwerksausbau. Das Thema Abwasser belastet im Übrigen nicht nur die Stadt Weißenfels, nein, auch die Stadt Kutno, wo Breasole Pini einen Großschlachthof betreibt.
Die Stadtverwaltung Bernburg täte gut daran, sich auch darüber zu informieren. Hinzu kommt nun auch noch ein von Breasole Pini „unbefriedigend“ beantworteter Fragenkatalog der Stadtverwaltung, in dem zum Thema Kläranlage erst gar nicht Stellung genommen wurde. Das gibt zu denken.
Viele Bernburger, so zeichnet es sich bei der Unterschriftensammlung für den Bürgerentscheid bereits ab, wollen diesen Megaschlachthof nicht. Im Bernburger Stadtrat sind, wie wir nun wissen, auch die Abgeordneten der SPD, der Linken sowie der Grünen gegen den Grundstücksverkauf an Breasole Pini. Die Bernburger Bürger Gemeinschaft (BBG) ist noch in der Entscheidungsfindung, wie Stadträtin Frau Karin Brandt bekannt gab. Jetzt stellt sich die Frage, wie lange wollen die Abgeordneten von CDU und FDP noch an ihrer Entscheidung zum Ja für den Grundstücksverkauf an Breasole Pini festhalten?
Klaus Voigt, Bernburg
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12.04.2014 :
Leserbriefveröffentlichung in der MZ Bernburger Kurier am 12.04.2014, Seite 10 unter „Leserforum“
Geringfüg gekürzter Nachdruck mit Genehmigung der Autorin Hanni Musche
Überwiegend Westwind
Zum Artikel „So gut wie kein Abfall“, MZ vom 9. April,
Schlachthof:
…. Als nahezu unseriös finde ich die Äußerung „Es wird nicht riechen“. Ich habe in Kudno (Polen) die Kläranlage gerochen. Es ist natürlich die Frage, wie weit man das riecht. Zu bedenken gebe ich, dass wir überwiegend Westwind haben. Wer am westlichen Stadtrand wohnt oder dort seinen Garten hat, weiß dass der Lärmpegel seit Bestehen der neuen Bundesstraße stärker geworden ist.
Ich frage mich, wie die Stadt dort am Stadtrand geplante Wohngebiete vermarkten will. Eine Neuansiedlung von Schweinemastanlagen in unmittelbarer Nachbarschaft sehe ich persönlich nicht als positiven Effekt. Es dürfte bekannt sein, dass es gerade auf diesem Gebiet auch in Sachsen-Anhalt erheblichen Ärger mit Investoren aus den Niederlanden gibt. Letztendlich frage ich mich, wer braucht soviel Schwein?
Hanni Musche, Grünen-Stadträtin in Bernburg

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12.04.2014 :
Leserbriefveröffentlichung in der MZ Bernburger Kurier am 12.04.2014, Seite 10 unter „Leserforum“
Ungekürzter Nachdruck mit Genehmigung der Autorin Ilse Reichmann
Woher wissen es die Professoren?
Zum Artikel „So gut wie kein Abfall“, MZ vom 9. April, über die Stellungnahme von Professoren der Hochschule Anhalt zum im Bernburger Gewerbegebiet West geplanten
Schlachthof:
Der Oberbürgermeister sagt „Wir wissen noch gar nichts.“ Die Professoren wissen es besser. 24 000 Schweine am Tag, 28 000! Jetzt sind es nur 15 000. Wo kommen diese Zahlen her, wenn keiner was weiß? Nur acht Stunden am Stück dürfen sie transportiert werden.
Wo im Acht-Stunden-Umkreis gibt es so viele Schweine zu holen, Tag für Tag? Weißenfels will ja auch noch welche haben. Und wenn die Schweine dann aus den Nachbarländern kommen, vielleicht auch aus Italien, machen sie dann nach acht Stunden Rast auf der Autobahn? In ihren Transportern natürlich, auf engstem Raum, bei Hitze, bei Kälte, ohne Wasser? Natürlich! Wie auch sollte das sonst funktionieren?
Und dann müssten sie ja eigentlich vor dem Schlachten Ruhe haben, um die Stresshormone abzubauen von dem Gerüttel und Gestoße beim Transport. Wo? In einem großen Pferch, wo sie wenigstens saufen dürfen und frische Luft haben. Für 15 000 Tiere, bleiben wir bei der kleinen Zahl? Riesige Wiese mit Elektrozaun? Riesiger Stall? Geht gar nicht, ist im Produktionsablauf nicht vorgesehen. Also vom Transporter rein in die Schlachtung.
Hormone? Also, wer weiß schon, womit die vorher gemästet wurden – da kommt es doch auf ein Hormon mehr nicht an, was da auf unseren Tellern landet. Also Schweinekram!
Ach so, laut behördlicher Mitteilung bauen wir ja gar keinen Schlachthof, sondern einen Zerlegebetrieb. Wo kriegt der dann die geschlachteten Schweine her? Lebendige kann er ja wohl nicht zerlegen. Also bauen wir zwei Betriebe?
Und die Umweltschützer können natürlich auch nicht wissen, was für eine Abgasglocke an Hitzetagen von den vielen Diesellastern über der Stadt liegt, wenn der Wind ungünstig steht. Aber wer weiß schon, woher der Wind weht?
Keiner weiß was, nur die Professoren wissen es genau, so dass sie die Stadt beraten können. Und natürlich Investor Pini weiß es. Wer denkt sich da was dabei?
Ilse Reichmann, Bernburg

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10.04.2014 :
Leserbriefveröffentlichung in der MZ Bernburger Kurier am 10.04.2014, Seite 11 unter „Leserforum“
Ungekürzter Nachdruck mit Genehmigung des Autors
Prof. Georg Rosenthal
Kein Aufatmen nach Professorengespräch
Zum Artikel „Professoren warnen vor Vorurteilen“, MZ vom 8. April:

Dem Aufruf, zu mehr „Sachlichkeit“ von Professoren der Hochschule Anhalt, von dem die MZ berichtet, folgt das Angebot an die Stadtverwaltung Bernburg, mit „Fachwissen“ der Stadt „zur Seite zu stehen“. Welches besondere Fachwissen soll das sein? Die Stadt weiß bereits, dass nur Argumente zählen, die dem wirtschaftlichem Profitstreben dienlich sind, sowohl dem des Investors als auch dem Gewinnstreben der Stadt. Die Bürgerbetroffenheit, die sich artikuliert hat, wird nicht zur Kenntnis genommen. Auch die Hochschulleitung scheint dafür blind und taub zu sein und enttäuscht damit ihre engagierten Studentinnen und Studenten.
Wir können nicht aufatmen, das Thema brennt weiter. Was darüber hinaus die Hochschule unglaubwürdig macht, ist die scheinbar „sachliche“ Sprache. Ist der ökologische Zusammenhang des Lebens auf dieser Erde, zu dem auch die Tiere gehören, im Klima der Hochschule Anhalt so unbekannt geworden, dass er nicht mehr zum Thema, also zur „Sache“ gehört? Die Sachlage ist bekannt, aber jetzt ist Stellungnahme notwendig. Über den Fall, Tiere massenhaft zu töten, kann man nicht ausschließlich wie über eine „Sache“ reden. Das verbietet der Respekt vor dem Leben. Schon das Wort „Tierproduktion“ gehört eigentlich in die Kategorie „Unwort des Jahres“, denn auch ein gemästetes Tier ist ein „Geschöpf“, und das zu allererst, nicht nur als eine Fleischmasse. In seinen Todesschreien äußert sich elementare Lebensangst.
In Bernburg hat die Todesangst eine grauenvolle Geschichte, sie sollte nicht mit Wirtschaftsargumenten zum Schaden der Kulturerbestadt Bernburg verharmlost werden. Industriell betriebenes Töten ist allgemein eine Schande, für Bernburg eine Ungeheuerlichkeit. Dies ist leicht zu verstehen, dazu braucht es keine Professur einer Fachwissenschaft für Tierproduktion, es sei denn, ihr steht eine Professur für Wirtschafts- und Sozialethik zu Seite.
Schweine sind Lebewesen, das empfindet schon das kleine Kind und schließt mit Schweinchen Freundschaft.
Professor Georg Rosenthal, Bernburg

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31.03.2014 :
Beitrag des Cheftierarztes im ehemaligen Schlachthof Bernburg
Probleme zum geplanten Großschlachthof in Bernburg

Ein Schlachthof benötigt von Zulassungsbehörde (Landesverwaltungsamt) eine deutsche Zulassungsnummer (ES…).
Im Gegensatz zu Zerlege- und Verarbeitungsbetrieben befindet sich ein Schlachthof überwiegend im „Schwarzbereich“, erst ab untersuchte Tierkörperhälfte beginnt der „Weißbereich“ als Lebensmittel (als tauglich abgestempelt).

Schlachthöfe sind durch Transport, Aufstallung und Umgang mit lebenden Schweinen sowie deren Abfälle bei der Schlachtung stets sehr geruchsintensiv und wurden deshalb früher entgegen der Hauptwindrichtung >Nordwest < östlich von Wohnanlagen errichtet.

Die geplante Menge benötigter Schlachttiere (28.000 Stück / pro Tag) erfordert gewaltige Massentierhaltung in Mastbetrieben. Eine artgerechte Haltung mit Stroheinstreu usw. ist in diesen Dimensionen nicht möglich.

Die Notwendigkeit eines solchen Schlachtbetriebes ist in Sachsen-Anhalt zur Versorgung der Bevölkerung nicht erforderlich.
Der nach der Wende neu errichtete Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb „Fleischzentrum Anhalt“ in Tornau bei Dessau-Roßlau hat aus ökonomischen Gründen den Betrieb eingestellt.

Der Transport der Schlachttiere muss tierschutzgerecht erfolgen (Stückzahl pro Beladung, Jahres- bzw. auch Tageszeit) einschließlich sonntags als Vorstapelung.
Frage: Was passiert mit transportverendeten und transportgeschädigten Tieren (Frakturen, Kreislauf geschwächte T.) wie und wo? Notschlachtbetriebe gibt es nicht mehr!!! – Geruchsbelästigung –

Probleme während der Schlachtung
Betäubungstechnologie ist zu klären;
a) Elektrozangen;
b) CO 2 (Klima-Killer) in dieser Größenordnung ein Problem;

Umgang mit anfallendem Blut durch Tötung;
a) Abtropfrinne → Blutkeller;
b) Spülwasser bei Entnahme der Eingeweide → Abwasser;

Bisher: Für Kleinbetriebe biologische Kläranlage erforderlich!
a) Einsatz nur von bestimmten Reinigungs- und Desinfektionsmitteln möglich;
b) Begrenzte Durchflussgeschwindigkeit zur Erhaltung der Mikroflora erforderlich;

Aktuelles Problem: Die Stadt Weißenfels hatte versucht zu klagen weil sie wegen der Verunreinigung der Saale zur Zahlung einer Geldstrafe beauflagt wurde. Verursacher der Verunreinigung war der Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb Tönnies.

Verbleib der Schlachtabfälle während der Bearbeitung von Schlachttieren (Borsten, Klauenschuhe, Nabelbeutel, Ohrausschnitte, Unterbeine);

In Deutschland erforderliche Schlachttier- und Fleischuntersuchung dabei anfallende genußuntaugliche Teile;
a) Entzündungen einschließlich Tbc;
b) Parasitenbefall;
c) Veränderte Teile wie Blutergüsse, Abzesse, Verunreinigungen und Ausputz;
Bei der Darmbearbeitung anfallender Magen- und Darminhalt sowie Darmschleim (aus der Schleim-Maschine); Wie und wo werden diese Abfälle gelagert und entsorgt?

Früher: Tierkörper – Verwertungsanstalten (TKVA) entsorgten und verarbeiteten o.g. Produkte zu Tierkörpermehl (Futter);
Heute: Wegen der BSE – Problematik nicht mehr möglich;

Fazit: Geruchsbelästigung durch Tiertransporte und anfallende Abfälle verbleibt rund um die Uhr in Windrichtung zur Stadt.
Gleichzeitig besteht die Gefahr einer Fliegen- und Rattenpopulation !

Warum die Geheimhaltung eines solchen Großprojektes durch unsere „gewählten Volksvertreter“ statt Beratung mit Fachgremien?

Nach Pressemitteilungen (MDR) erfolgen massive Proteste der Bürger wegen Gestanks- und Umweltbelastung auch in Italien und Polen (Kutnow)!

Aufgezeichnet von
Siegfried Braband
(bis 1990 Cheftierarzt im ehemaligen Schlachthof Bernburg)
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29.03.2014 :
Leserbriefveröffentlichung in der MZ Bernburger Kurier am 19.03.2014, Seite 11 unter „Leserforum“
Ungekürzter Nachdruck mit Genehmigung des Autors Eberhard Balzer

Im Nachmittagsprogramm des MDR am 13. März wurde das italienische Fleischwarenunternehmen Presaole Pini vorgestellt. Unter anderem wurde ein exquisites Fleischprodukt angepriesen, aber auch auf die Probleme zum Bau eines gewaltigen Schlachthofes wurde verwiesen. Die Bürger in Manebio (Oberitalien) haben trotz Aussicht auf 800 neue Arbeitsplätze den Bau des Schlachthofes abgelehnt, weil sie die Gefahren der Auswirkungen auf Umwelt und Verkehr befürchteten. Auch die Ankündigungen von Pini, den Bau eines Schlachthofes außerhalb von Italien zu verwirklichen, konnte die Bürger nicht umstimmen. Nun ist Bernburg als ein Standort vorgesehen worden. Was spricht für Bernburg? Es sollen bis zu 2500 Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Verkehrsverbindung ist absolut günstig. Kein Viehtransport soll durch Bernburg fahren, so dass es zu weiteren Belästigungen nicht kommt. Preise für Wasser und Abwasser sollen nicht angehoben werden. Eine Industriefläche kann verkauft werden und wird dann effektiv genutzt. Was spricht gegen Bernburg? Geruchs- und Lärmbelästigungen sind nicht vermeidbar. Welche Probleme ergeben sich bei Wasser und Abwasser, da der Betrieb äußerst wasserverbrauchsintensiv ist? Kann der Ausbau des Klärwerkes infolge eines eventuellen Bevölkerungsrückgangs und eventueller Hochwassergefahr effektiv erfolgen? Reichen die Schlachthöfe in Halberstadt, Weißenfels und Könnern nicht aus? Es gibt viele Probleme und sollte die Meinung der Bürger nicht gehört werden? Dazu müsste eine vom Oberbürgermeister einberufene Einwohnerversammlung zur Erörterung gemeindlicher Angelegenheiten einberufen werden (§27(1) – Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt).
Übrigens: In der Stadtratssitzung vom 12. Dezember, wo über den Verkauf einer Grundstücksfläche an die Pini Deutschland GmbH abgestimmt wurde, wies der Oberbürgermeister auf die Verschwiegenheitspflicht der Stadträte gemäß §30 Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt hin. Durch die Veröffentlichung in Presse, Funk und Fernsehen ist die Verschwiegenheitspflicht sicherlich aufgehoben.
Eberhard Balzer, Bernburg
–|Anmerkung der Redaktion des Blogs: Auf diesen Leserbrief nimmt Herr Badzinky in einem Leserbrief am 29.03.2014 Stellung, daher dieser Nachdruck: -> siehe: „PRO“
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29.03.2014 :
Leserbriefveröffentlichung in der MZ Bernburger Kurier am 19.03.2014, Seite 11 unter „Leserforum“
Ungekürzter Nachdruck des Leserbriefes aus Wiessenfels von Nicole Reppin
Nichts ist alternativlos, auch nicht die Maßlosigkeit der Fleischpropheten. Bernburg braucht keine nüchternen Kommentare wie die des Herrn Adam, sondern eine objektive Kosten-Nutzen Analyse und vorurteilsfreie Betrachtung auch der entgegenstehenden Fakten.
Das nur zwei Schlachthöfe in Sachsen-Anhalt übrig sind, ist Ergebnis des aggressiven, ruinösen Wettbewerbs in der Schlachtbranche, ein Oligopol weniger Schlachtriesen für das gerade die derzeitige Landespolitik mitverantwortlich zeichnet. Nicht mehr, sondern weniger regional besetzte Arbeitsplätze waren die Folge. Mitteldeutschland und die EU sind bereits überversorgt, es ist ebenso ein Wunschdenken profitgieriger Fleischkonzerne, Glauben zu machen, dass ganz Asien zum „Fleisch(fr)essen“ umerzogen werden kann, natürlich mit Billigfleisch aus der EU. Dieses ist nur vorgeblich billig, weil die Fördermittel für Bau und notwendiger Infrastruktur, die Niedriglöhne der Akkordarbeiter sowie die negativen Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima ausgeblendet werden.
Es gibt für die angekündigten Dimensionen weder ausreichend Schweine noch entsprechende Arbeitskräfte im hiesigen Fleischsektor. So ist absehbar, das die Italiener ihre Schweine wohl aus Osteuropa holen und die Arbeiter gleich mit.
Ein solches, den Standort lediglich ausbeutendes Geschäftsmodell hat genügend traurige Vorbilder in Sachsen-Anhalt, wobei solch international agierende Konzerne genau wissen wie man Gewerbesteuern minimiert und wann man weiterzieht.
Warum wohl siedelt Bresaole Pini diese Akkordproduktion nicht zu Hause im schönen Veltlintal an? Ganz bestimmt nicht weil der Firma die Zukunft Sachsen-Anhalts und die Bevölkerung Bernburgs so am Herzen liegen.
Nicole Reppin im Namen der BI pro Weißenfels

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22.03.2014:
Noch Fragen offen
Zur Berichterstattung über den geplanten Schlachthof in Biendorf:
von Friedel Meinecke, Bernburg:
„..In der Diskussion zum Schlachthof muss ich noch einige Gedanken äußern. Was bisher an Tatsachen bekannt ist, reicht nicht aus, um ein solches Projekt überhaupt beurteilen zu können. Wenn beim Land Sachsen-Anhalt Fördermittel für ein solches Vorhaben beantragt werden, muss ja wohl ein detailliertes Projekt vorliegen. Es wundert mich dann schon, dass die Stadt Bernburg davon keine Kenntnis haben soll. Die Aussage, dass die Kläranlage Bernburg zur Beseitigung der anfallenden Abwässer nur erweitert werden müsste, entspricht nicht den gesetzlichen Anforderungen. Wer investiert in die nötige Infrastruktur? Wie ist die Nachhaltigkeit ökonomisch und ökologisch abgesichert?
Eine weitere nicht ganz unwichtige Frage: Wo kommen die benötigten Arbeitskräfte her und zu welchen Bedingungen arbeiten sie?
Aber die grundsätzliche Frage: Woher kommt die große Anzahl der benötigten Schlachttiere? Mir ist bekannt, dass nicht einmal die in Weißenfels vorhandenen Schlachtkapazitäten ausgelastet werden können. Oder zeichnet sich hier ein Einfallstor zur Errichtung von Massentierproduktionsanlagen ab?
Übrigens hat der Landesbauernverband, der die meisten landwirtschaftlichen Betriebe in Sachsen-Anhalt vertritt, nur über die Medien von diesem Vorhaben erfahren. ..“

Friedel Meinecke, Biendorf
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Zum Widerstand im Heimatort Italien
Die Firma Pini hat am italienischen Mutterstandort, die Pläne in Italien aufgrund starker Proteste vor Ort im Frühjahr 2013 aufgeben müssen. Hier einige Verweise auf Berichterstattung über die Ablehnung am italienischen Standort.

Zeitungsberichte in italienischer Sprache darüber warum die Firma Pini die Pläne für den Schlachthof in Italien aufgegeben hat und über den Versuch das 10 Hektar große Grundstück dort wieder los zu werden:
http://www.giornaledibrescia.it/economia/pietra-tombale-sul-macello-di-manerbio-1.1669142
und
http://www.giornaledibrescia.it/economia/manerbio-niente-macello-pini-investiamo-altrove-1.1532753

Der Italienische Widerstand gegen die Firma Pini und auch gegen andere Mega-Schlachthöfe (u. a.):
http://controilmegamacello.blogspot.de

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