Plötzkauer Aue – Forstliche Nutzung versus Naturschutz

Waldflächen in Bernburg: Forstliche Nutzung versus Naturschutz versus Freizeitnutzung
Erster Eintrag: 15. Januar 2014
Aktuellster Beitrag: 29. März 2015

Fällen von vermeintlich gesunden Bäumen aufgrund der „Verkehrssicherungspflicht“ in den Grünflächen der Stadt Bernburg (Saale) und übermäßige Holzeinschläge in den wenigen Waldflächen im Bereich der Stadt Bernburg (Saale) erbosten nun schon seit Jahren jeden Winter die Bürger.
In der Regel wird nun von den Verantwortlichen eine vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit vor den Baumfällungen geleistet.
So auch Ende des Jahres 2013, als sehr ausführlich von der Notwendigkeit der Baumfällung vom durch das Hochwasser geschädigte Bäumen in dem Überschwemmungsgebiet des Bernburger und Plötzkauer berichtet wurde.
Was dann geschah hat Siegfried Walter, Vorsitzender des Kreis-Naturschutzbeirates, in seinen Bildern und die Lokal Redaktion der Mitteldeutschen Zeitung in einer vorbildlichen Kampange aufgedeckt:
Kahlschlag_Foto_S-Walter
.. die sogenannte ordnungsgemäße Forstwirtschaft.. aufgenommen am 16 Februar 2014 im Plötzkauer Wald von Siegfried A. Walter
HIER Link zu den weiteren zahlreichen Bildern von Siegfried Walter:
Bilder von Siegfried A. Walter im Internet

Der Landwirtschafts- und Umweltminister des Landes Dr. Hermann Onko Aeikens engagierte sich nach den verschiedenen Beschwerden direkt und stellte die Untersuchung der Vorgänge sicher. So veranlasste das Ministerium ein Avifaunistisches Gutachten zur Klärung der möglichen Verletzungen in die verschiedenen Schutzvorschriften.
Für die weitere Diskussion der forstlichen Nutzung der Plötzkauer Aue, den jeweils erreichten Stand der Management Pläne für das FFH Gebiet und deren Umsetzung, des jeweils erreichten Stand der weiteren Naturschutzausweisungen und für die Verbesserung des Tourismusangebotes in der Plötzkauer Aue haben wir dieses Unterkapitel erstellt.
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BERNBURGER AUWALD 2015
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Montag 06. April 2015:
11:00 Treffpunkt bei Reimanns zum
Ostermontagsspaziergang mit Siegfried A. Walter
(bis ca. 13:30)
Das Bernburger Montagsforum lädt am 6. April zum fünften Mal zum Ostermontagsspaziergang ein. Treffpunkt ist wieder bei Reimanns um 11:00. Wir freuen uns auch dieses Jahr auf den Waldspaziergang in der Saale Aue mit Siegfried A. Walter, Vorsitzender des Kreis-Naturschutzbeirates. Entlang des Stadtwaldes über die Hartholzaue geht es zur Weichholzaue entlang der Wipper zum Randbereich des Aderstedter Forstes und entlang der Strenge.
Wir werden den Erfolg der Aufforstungen nach den unschönen Holzfällungen im letzten Jahr noch einmal in Augenschein nehmen. Wie erfolgreich sind die Aufforstungen im Bereich der massiven Fällungen nach einem Jahr? Was ist aus den tiefen Fahrspuren in den Rückegassen der „Harvester“ geworden.?
An der Strenge werden wir aber auch die neuen Holzeinschläge kritisch beurteilen.
Gerne wird uns Herr Walter aber auch wieder auf dem Weg die Artenvielfalt des Auwaldes erläutern und auf Fragen der Osterspaziergänger auf der etwa gut zweistündigen Exkursion eingehen.

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BERNBURGER AUWALD 2014
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Montag 01. Dezember 2014: – Dokumentation
Beginn 19:00 |
Dialog-Forst
Montagsforum zu Gast im Alten Rathaus Bernburg, Markt 17/18
(Eingang Breite Straße) BUNGEHÖRSAAL

„Bernburger Dialog Naturschutz und Forstwirtschaft
Am Beispiel des bisherigen und zukünftigen Holzeinschlags in der Plötzkauer Aue“

Podiumsdiskussion, eingeladen sind:
Matthias Formella, Sachgebietsleiter Betriebsinformatik und Naturschutz, Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt
Christiane von Wagner, Fachdienstleiterin Natur und Umwelt des Salzlandkreises (angefragt)
Dietmar Weihrich, Landschaftsarchitekt, Landtagsabgeordneter
Moderation: Prof. Erich Buhmann

Herr Formella stellt dankenswerter Weise seine Präsentation als Dokumentation zur Verfügung.

Hintergrund zur Diskussion:
1: Bisherige Diskussion im Bernburger Montagsforum
2: Gutachten zum Holzeinschlag im Winter 2013/2014:
Auwald Plötzkau | Avifaunistische Sonderuntersuchung zur Ermittlung von Auswirkungen der forstlichen Maßnahmen des Winters 2013/2014
Stand August 2014, Gutachter: Axel Schonert

Beiträge ab 15. Januar 2014 (unten)

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Dialog Naturschutz-Forstwirtschaft am 1.12.2014 )
Im Frühjahr und Sommer 2014 wurden landesweit die nächsten 10 Jahresvereinbarung zur Forsteinrichtung zwischen Naturschutz und Fortwirtschaft vereinbart.

Im August 2014 wurde das Sondergutachten zu der Beurteilung der forstlichen Maßnahmen im Winter 2013/14 auf die geschützten Vogelarten veröffentlicht :
Gutachten zum Holzeinschlag im Winter 2013/2014:
Auwald Plötzkau | Avifaunistische Sonderuntersuchung zur Ermittlung von Auswirkungen der forstlichen Maßnahmen des Winters 2013/2014 Stand August 2014, Gutachter: Axel Schonert
Dieses o.g. Gutachten wird im Montagsforum am 1. Dezember 2014 im Rahmen des Dialog Naturschutz-Forstwirtschaft im Bungehörsaal kurz vorgstellt.
Wir danken dem Landesforstbetrieb für die Übergabe dieser Dokumentation.

Die Zusammenfassung der Diskussion am 1. Dezember 2014 mit dem Vertreter der Landesforstverwaltung Herrn Matthias Formella und Herr Weihrich, Landtagsabgeordneter und Umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion erfolgt im Nachgang.
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MZ – Online: 10.10.2014:
Kritik am Holzeinschlag hält Check nicht stand

MZ – Online: 10.10.2014:
Forstbetrieb Konfliktzonen in der öffentlichen Diskussion „…Viele Maßnahmen des Forstbetriebes werden gelobt..“

Gutachten zum „download“:
Wir danken dem Landesforstbetrieb für die Übergabe dieser
Dokumentation.

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MZ – Online: 08.10.2014:
Saale-Auwald zwischen Aderstedt und Plötzkau Förster zeigt Jogger wegen Verleumdung an
Kommentar: Michael Stier hatte mit einem Video in YouTube die Vermutung geäußert, dass Bäume, die rot markiert waren potentiell gefällt werden sollen.
Ein Anruf beim zuständigen Forstamt und die nachträgliche Richtigstellung über die Presse hat ergeben, dass diese Markierungen nur für die Abrechnung von Baumschnittarbeiten dienten. Diese Bäume waren zur Sicherung der Verkehrssicherheit von toten Ästen befreit worden.
Nach der Klärung hat Herr Stier das populäre Video mit inzwischen über 1.000 Klicks aus dem Netz genommen.
Es wäre erfreulich, wenn die aufgrund der haltlosen Anschuldigung berechtigterweise verärgerte Forstverwaltung Verständnis aufgrund der durch mangelnde Öffentlichkeitsarbeit verursachte Situation hätte und die Anzeige wegen Verleumdung zurücknehmen würde.

MZ – Online: 17.09.2014:
Baumfällungen zwischen Aderstedt und Plötzkau (Blinder) Alarm im Auwald
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Treffpunkt bei Reimanns (um 11:00 bis ca. 13:30
Osterspaziergang zum Ostermontag den 21.04.2014 )

Reimann_2014
Beginn des Ostermontagspaziergang 2014 des Bernburger Montagsforums bei strahlenden Osterwetter bei Reimanns..

Walter_Begeisterung

Aufforstung_2014

Osterspaziergang zum Ostermontag mit positiven Überraschungen
Der traditionelle Waldspaziergang in der Saale Aue zum Ostermontag des Bernburger Montagsforums, dieses mal geführt von Siegfried A. Walter, hat über 30 Teilnehmer in die Aue geführt. Mit seinem Humor und dem vielen Detailwissen hat der Vorsitzende des Kreis-Naturschutzbeirates Walter alle begeistert! Entlang des Stadtwaldes ging es entlang der Wipper zum Randbereich des Aderstedter Forsts. Eine kleine positive österliche Überraschung bot die inzwischen vorbildlich gepflanzte Aufforstungen in dem Bereich des Kahlschlags am Alten Saalearm. Es fehlt derzeit noch der Schutz vor Wildverbiss. Der Schutz der Aufforstung mit der Leitbaumart Eiche und geringen Anteilen von Ahorn wird aber sicher voraussichtlich als Individualschutz noch angebracht werden. Die tiefen Fahrspuren in den Rückgassen des „Harvester“ verbleiben jedoch wohl als nachhaltige Verdichtung des Auebodens.
Herr Joachim Hennecke hat diese österliche Exkursion in einer Galerie mit Bildern festgehalten, die unter Galerie_Ostermontag-2014 zugänglich ist.
Herzlichen Dank für die begeisterte und engagierte Führung von Herrn Walter und für die tollen Bilder von Herrn Hennecke!
Wir freuen uns dann auf den nächsten Ostermontagsspaziergang und werden den Erfolg der Aufforstungen dann in Augenschein nehmen.
Die öffentliche Wahrnehmung der Art der Forstbewirtschaftung soll helfen den Belangen des Naturschutz in unserem Auwald gehör zu verschaffen.

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Ortstermin im FFH Gebiet „Auwälder bei Plötzkau“
Montag 3. März 2014 (am Rosenmontag 2014)
MdL Dietmar Weihrich, Siefried A. Walter und die Kreistagsabgeordneten Hanni Musche und Jutta Rösler haben zur Ortsbesichtigung des Holzeinschlags im FFH Gebiet Auwald Plötzkau eingeladen.
Das Echo von MDR und der Lokalredaktionen war erfreulich. Das MDR hatte von diesem Ortstermin (zwischen den vielen schönen Bilder vom Karneval in Köthen) am 3.3.2014 in „Sachsen-Anhalt heute“ einen kurzen Wortbeitrag mit Film gesendet:
MDR Mediathek für den MDR Sachsen-Anhalt Heute um 19:00 vom 3.3.2014:
Minuten 9:58 – 10:22
http://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/sendungverpasst100-multiGroupClosed_boxIndex-4_zc-beb4e977.html

Bericht Thomas Weissenborn, Redaktion Super Sonntag vom 5.3.2014:
Massive Abholzungen in der Saaleaue
Stangenplantage statt Auwald
„..Großflächige und unsensible Abholzungen in der Saaleaue Landtagsabgeordneter der Grünen inspiziert Schäden im Naturschutzgebiet…“
Der Link zu der Online Version dieses Beitrags mit weiteren Bildern vom Ortstermin.
Beitrag von Thomas Weissenborn als Pressespiegel zum herunterladen: Stangenplantage_statt_Auwald-Landtagsabgeordneter_der_Gruenen_Inspiziert_Schaeden


Beschreibung: Durch Forstbetrieb nachhaltig verdichter Auwaldboden im FFH Gebiet Plötzkauer Auwald

Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) hat sich mit Schreiben vom 27.2.2014 wegen des laufenden Verfahrens entschuldigt.
Bei der Festlegung des ablaufenden zehn-jährigen Forsteinrichtungsplanes war die Untere Naturschutzbehörde nicht beteiligt. Diese Abstimmung erfolgte damals bei der Oberen Naturschutzbehörde im Landesverwaltungsamt.
Da die Untere Naturschutzbehörde (UNB) mit dem 1. Januar 2014 als Landkreis die Aufgabe des Vollzugs in Naturschutzgebieten neu übertragen bekommen hat, befinden sich die UNB zur Zeit in der Abstimmung mit der Landesforst über die zukünftige Zusammenarbeit bei Naturschutzbelangen.

Hauptaugenmerk des Ortstermins aus der Sicht des Naturschutzes
– Ist die vorgeschriebene FFH Verträglichkeitsüberprüfung vor dem Fällen im Bereich eines FFH Gebietes erfolgt? Wurde es dort unterlassen auf die besonderen Bodenverhältnisse im Auwaldboden hin zu weisen? Ein „Harvester“ dürfte im Auwaldboden wohl nur bei tief gefrorenem Boden zum Einsatz kommen. Wie werden diese eindeutigen Verstöße geahndet?
– Warum ist die Erweiterung der NSG Unterschutzstellung „Auwald bei Plötzkau“ bei der oberen Behörde bisher noch nicht zum Abschluss gekommen? Die obere Behörde soll aufgefordert werden dieses Verfahren noch zum Abschluss zu bringen. Eine Verlagerung an die Untere würde aufgrund der geringen Personaldecke dort quasi zum Stillstand der abschließenden Ausweisung führen.
Die Festlegung des bisherigen Gebietes des Auwald bei Plötzkau mit Karte:
http://www.lvwa-natur.sachsen-anhalt.de/bernburg/nsg0082.htm
Die Fläche des Gebietes soll erweitert werden, das Verfahren ist nach meiner Kenntnis weitgehend abgeschlossen und sollte bereits vor einem Jahr bei der Oberen Naturschutzbehörde erfolgen.
– Wieweit sind die FFH Managementpläne für das FFH Gebiet?
– Es muss festgelegt werden, dass der kommenden Forsteinrichtungsplan die besondere Situation eines FFH Gebietes in der Aue berücksichtigt. Der neue Forsteinrichtungsplan muss gemeinsam mit der nun zuständigen UNB aufgestellt werden. Eine Mindestanzahl von Restbäumen je Art und Fläche müssen vereinbart werden.
– Die Schäden durch die Bodenverdichtungen müssen durch Schlitzen so gut wie möglich wieder kompensiert werden.
– Die Schäden an den Radwegen müssen umgehend ausgebessert werden, damit neben den negativen ästhetischen touristischen Eingriffen, zumindest die Passierbarkeit wieder ermöglicht wird

Rechtliche und fachpolitische Handlungsmöglichkeiten

Bild von der Begehung von Siegfried A. Walter, Titel: „Natürlich auch Eiche“ (aus dem FFH Gebiet Plötzkauer Aue am Altarm bei Aderstedt)

Aderstedt_Walter
Beschreibung: Am Altarm im Aderstedter Forst werden die Verdichtungen mit Ästen kaschiert (Bild S. A. Walter)

MdL Dietmar Weihrich wird prüfen ob eine Strafanzeige der nicht sachgerechten Forstbewirtschaftung in einem FFH Gebiet zielführend ist. Beschränkungen die das EU SPA „Auenwald Plötzkau“ sowie im FFH-Gebiet „Auenwälder bei Plötzkau“ vorgeben sind wohl eindeutig verletzt worden.

Prof. Erich Buhmann wird sich dafür engagieren, dass zukünftige Abstimmung zwischen Naturschutz und Forsteinrichtung bei der Fortschreibung der Forsteinrichtung in FFH Gebieten durchgehend von der Planung bis zur Durchführung in gleichberechtigter Partnerschaft statt findet.

Abschluss
Abschlussdiskussion (Bild S.A. Walter)

Auszug aus Bericht der MZ zum Ortstermim am 3.3.2014
MITTELDEUTSCHE ZEITUNG, Ausgabe Bernburger Kurier, Mittwoch 5. März 2014, Seite 9:
Geschichte wiederholt sich
Vorsitzender des Umweltausschusses im Landtag, Dietmar Weihrich, besucht Auenwälder bei Plötzkau. Fraglich bleibt, ob gegen geltendes Recht verstoßen wurde.
GRÖNA/MZ/FHO – Der massive Holzeinschlag in den Auenwäldern bei Plötzkau ruft nun auch Landtagsabgeordnete auf den Plan. So besuchte Dietmar Weihrich (Grüne), Vorsitzender des Umweltausschusses, am Montag das Naturschutzgebiet (NSG) nahe Bernburg. „Ich bin der Meinung, dass das, was hier geschehen ist, wahrscheinlich nicht rechtmäßig war“, sagte er im Hinblick auf die Rückarbeiten. Bei dem Vorortstermin interessierte ihn vor allem auch der Vogelschutz. ……

Weihrich kennt die Problematik bereits aus vergangenen Jahren. Ähnliches habe sich 2011/2012 im NSG Kreuzhorst bei Magdeburg zugetragen. Der Grünen-Politiker habe damals eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Die Antwort: Es sei nicht gegen die FFH-Richtlinie verstoßen worden… „

Hier wird der vollständige Bericht der Mitteldeutschen Zeitung von Frauke Holz:
Geschichte wiederholt sich
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Weitere Berichte zum Holzeinschlag im Winter 2013 im FFH Gebiet „Auwälder bei Plötzkau“
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In seiner neuen örtlichen Zuständigkeit soll sich eine Sondersitzung des Umweltausschusses des Landkreises mit dem übermäsigen Holzeinschlag und den nun auf den Landkreis zukommenden Folgen für die Schadensbehebung und die notwendigen waldbaulichen Maßnahmen auseinandersetzen.
MZ Online 20.02.2014 20:29 Uhr
Schadensbegrenzung im Plötzkauer Auwald
[http://www.mz-web.de/bernburg/sonderausschuss-tagt-schadensbegrenzung-im-ploetzkauer-auwald-,20640898,26299206.html]

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Laut Siegfried A. Walter sind im Dezember 2013 beispielsweise die in der FFH Karte festgehalten und gemeldeten alten Eichenbestände des
FFH Gebietes Auwälder bei Plötzkau
mit der EU Nummer DE 4236 301, Landesnummer FFH0164
weitgehend gefällt worden.
Kartenausschnitt der Ausweisung:
<img src="http://montagsforum.blogsport.de/images/FFHPltzkau0164.JPG"
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Zum Bericht der Mitteldeutsche Zeitung Bernburger Kurier, WOCHENENDE 15./16. Februar auf Seite 9
von FRAUKE HOLZ:
Auwald unter der Lupe
Die Bernburger Lokalredaktion der Mitteldeutschen Zeitung MZ berichtet über einen Ortstermin mit Vertretern,des Landesministerium für Landwirtschaft und Umwelt, des Landesforstbetriebes, des Landkreises und der Stadt Bernburg, und Siegfried Walter, Vorsitzender des Kreis-Naturschutzbeirates. Das Ergebnis aus der Sicht des Oberbürgermeisters Henry Schütze: „Es wurde versprochen, den Holzeinschlag zu stoppen.“
In dem Beitrag der MZ wird darauf hingewiesen, dass die Zuständigkeit für den Erhalt und die Pflege des Gebietes seit 1. Januar 2014 nun vom Ministerium auf den Landkreis übertragen wurde. Gleichzeitig gilt natürlich auch die Holzeinschlagsnutzungen nach der Forsteinrichtungsplanung.

Hierzu Frauke Holz in dem MZ Beitrag: „..Gemäß der zehn Jahre lang geltenden Forsteinrichtung (in diesem Fall bis Ende 2013) wäre dies auch möglich. „Damit wird festgelegt, welches Holz wann und wo geschlagen werden darf, natürlich alles im Sinne der Nachhaltigkeit“, erklärt Hans Christian Schattenberg, Leiter des Forstbetriebs Ostharz, der auch für den Plötzkauer Auwald zuständig ist. In diesem Zeitraum könne einmal oder mehrfach Holz entnommen werden. Im Auwald geschah dies auf einen Ruck – kurz vor Ablauf des 10-Jahres-Planes. Doch die Folgen des Hochwassers und der ausbleibende Winter hatten eine saubere Holzernte unmöglich gemacht.“
Der Beitrag der MZ online:
Auwälder unter der Lupe
[http://www.mz-web.de/bernburg/ploetzkau-auwaelder-unter-der-lupe,20640898,26226132.html]
Nachricht

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Online Beitrag in der MZ vom 07.02.2014
[http://www.mz-web.de/bernburg/saale-auenwaelder-faellarbeiten-bei-ploetzkau-stossen-auf-kritik,20640898,26116024.html]
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Dem weiteren Beitrag von Sigfried Walter sind zahlreiche Leserbriefe auf die erste Berichterstattung der MZ vorausgegangen.
Wir erlauben uns stellvertretend den Brief des Landtagspräsidenten a.D. Prof. Dr. Adolf Spotka hier wieder zu geben. (Wir werden Herrn Spotka nachträglich um Zustimmung bitten):

LESERBRIEF
Stadtnahe grüne Lunge ausgeplündert
Zur Berichterstattung und den Leserbriefen über die Abholzungen im Saale-Auenwald:

Die in der MZ von Herrn Walter kritisierten Abholzungen unserer Auenwälder sind ein Skandal. Wer in den vergangenen Tagen einmal von Bernburg über Gröna eine Radtour gemacht hat, konnte sich überzeugen von der Rücksichtslosigkeit eines brachialen Holzeinschlags. Von Nachhaltigkeit in der Waldbewirtschaftung kann keine Rede mehr sein. Nachhaltig sind lediglich die irreparablen Schäden am Wald und Waldboden.

Eigentlich müsste ein Aufschrei durch unsere Bevölkerung und städtischen Gremien gehen. Unser Wald wird nicht mehr vom „sauren“ Regen bedroht, sondern von der radikalen Kommerzialisierung dieses wertvollen Naturraumes. Es dominiert auch hier nur noch das Prinzip der Profitmaximierung. Und da Holz als Brennstoff und Biomasse wieder ein sehr begehrter Rohstoff ist und auf dem Markt Höchstpreise erzielt, richten sich die Begehrlichkeiten auf die vermehrte Ausbeutung der letzten ergiebigen Waldressourcen. Die Energiewende hat mit ihren steigenden Strom- und Gaspreisen diese Entwicklung noch forciert.

Auf Jahrzehnte geschädigt
Die erfolgte Ausplünderung unserer Auenwälder links und rechts der Saale, wo fast nur noch Knüppelholz steht beziehungsweise „Stangenplantagen“ übriggeblieben sind, ist ein unverzeihlicher Angriff auf die Lebensqualität unserer Stadt. Nicht nur der Wald, auch der Waldboden als bedrohte „Achillesferse“ des Waldes ist durch den flächendeckenden Einsatz von schwerstem Gerät bei der „Baumernte“ auf Jahrzehnte hinaus geschädigt.

Seit jeher gilt: Bodenschutz ist Waldschutz. Hier ist dringend ein Umdenken, eine Befreiung vom Regime des Ökonomismus in der Waldbewirtschaftung erforderlich. Vielleicht sollte man mal den Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Umweltausschuss des Landtages zu einem Lokaltermin einladen, um die Landesebene zu sensibilisieren. Ein Treffen mit dem Forstdirektor von Harzgerode im Dröbelschen Busch, an dem ich teilnahm, kann offensichtlich ein solches Umdenken nicht bewirken.

Parks letzte Rückzugsareale?
Ansonsten wird sich das verwirklichen, was der Forstwirt Peter Wohlleben in seinem Buch „Der Wald. Ein Nachruf“ prophezeit hat: Es werden nur noch klägliche, stark degradierte Waldareale überleben. Unsere Stadtparks werden dann die letzten Rückzugsorte der Natur sein.

Adolf Spotka, Bernburg
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Grobe Verstöße sind anzeigewürdig
Zur Berichterstattung über die Abholzungen im Saale-Auenwald:
Es geht leider schon wieder um unseren Wald. Nachdem ich nun auch den Aderstedter Busch in Augenschein genommen hatte, wo erwartungsgemäß auch überwiegend die alten Eichen geschlagen wurden – wofür natürlich die dauerhafte Vernässung des Gebietes als Begründung herhalten kann – erreichte mich schon bald darauf ein Hilferuf aus Kustrena. Der Pfuhl’sche Busch, nahe der Ortslage werde geplündert und verwüstet. Übertreibung denke ich zuerst, wo doch in der MZ zu lesen war, dass eine Zwangspause eingelegt würde. Ich versprach aber, dass ich es mir anschauen werde. Nein, übertrieben hatte man nicht. Und wofür sollte eine Pause auch jetzt noch gut sein, wenn der Schaden schon angerichtet wurde und das Holz bereits auf Stapel liegt, der Waldboden in den Rückgassen irreparabel verfestigt ist und die Waldwege zerstört sind. Geblieben ist kein Auwald mehr – eine Stangenplantage aus noch jungen Eschen nur, durch die der Wind pfeift. Ein Jäger würde sagen: Man kann hindurch schießen, ohne einen Baum zu treffen.

Auenwälder in den Flussniederungen sind wegen ihres Artenreichtums – auch an Gehölzarten – die ökologisch wertvollsten Waldformen, weshalb sie auch eine hohe Schutzwürdigkeit genießen. Das 417 Hektar große Auwaldgebiet um Plötzkau, wozu auch der Pfuhl’sche Busch zählt, ist Natura-2000-Gebiet, nach der EU-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) also ein FFH-Gebiet, das landesintern unter FFH 01 64 gelistet ist und internationales Vogelschutzgebiet, bei der EU geführt unter DE 42 36 301. Für solche Gebiete gilt ein Verschlechterungsverbot. Dieses wurde hier gröblich verletzt und das sollte eine Anzeige bei der EU zur Folge haben.

So eine brachiale Umgestaltung in eine Monokultur, der jedwede Naturnähe verloren geht, ist eine Dreistigkeit den Bürgern der Region gegenüber und – da die gleichen Klagen auch aus anderen Regionen zu hören sind – auch gegenüber denen des Landes.

Unsere Wälder gehören nicht der Landesregierung, sie gehören den Bürgern dieses Landes. Die von den Bürgern über Wahlen eingesetzte Landesregierung hat aber die Aufgabe und den Auftrag, sie zu schützen, nachhaltig zu bewirtschaften und die Einnahmen daraus zum Wohle und Nutzen seiner Bürger einzusetzen. Dazu gehören auch die Pflege und der Erhalt der Waldbestände nach EU-, Bundes- und Landesrecht.

Bei dem, was im Pfuhl’schen Busch bei Kustrena stehen geblieben ist, sind mindestens zwei Generationen von Walderträgen „befreit“. Ist der Generationenvertrag für den Wald jetzt aufgehoben? Betrachtet man die Bilder, ist anzunehmen, dass die Ausführung des Einschlags ohne fachliche Anleitung und Aufsicht erfolgte oder Grundsätze einer nachhaltigen Forstwirtschaft bewusst ignoriert wurden. Ja wie denn auch, wenn der Forstbetrieb seinen Sitz im Harz hat und zudem keine persönliche Bindung zu dem Wald, den man hier bearbeitet, mehr besteht. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass da manch einer meint: Sollen die doch in den Harz kommen, wenn sie Wald sehen wollen. Aber auch von dort hört man Klagen. Die Frage muss erlaubt sein: Wie will man Privatwaldbesitzer bei Verstößen gegen rechtliche Bestimmungen denn sanktionieren, wenn man selbst das schlechte Beispiel gibt?

Als Bürger dieses Landes erwarte und verlange ich, dass staatliche Stellen wie Landesforstämter den Bürgen wahrheitsgemäß berichten und geltendes Recht respektieren sowie im Interesse heutiger und kommender Generationen den Wald als bedeutendes Ökosystem nachhaltig bewirtschaften. Wald ist ein Stück Lebensqualität und die darf man den Menschen nicht nehmen, will man die Bevölkerungsabwanderung stoppen.

Siegfried Walter, Vorsitzender des Naturschutzbeirates im Landkreis
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MZ alarmiert am 15. Januar 2014 über die großflächige Abholzung im Plötzkauer Forst
Frauke Holz: Wege im Saale-Auenwald sind verschmutzt

Der Beitrag der MZ online:
http://www.mz-web.de/bernburg/ploetzkau-wege-im-saale-auenwald-sind-verschmutzt,20640898,25898652.html
Nachricht

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